Radiologie, Neuhausen am Rheinfall

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Jahresausstellung 2022, Januar 2022 bis März 2023

 

ShN, 8.3.2022, Ueli Redmann, Zur Ausstellung in der Radiologie Neuhausen

>>>  Der  TEXT  als pdf

 

Ausgestellte Bilder:

GIALLO 4, Oel auf Leinwand, 125/202, Nr. 22-05-1

 

 

Nr. 17-06-2, Oel auf Leinwand, 62/100

 

 

Nr. 21-12, Oel auf Leinwand, 240/83

 

 

Nr. 21-01-2, Oel auf Mörtelmasse auf Leinwand, 80/130

 

 

Im Andenken eines Engels, Nr. 20-03, Oel auf Leinwand, 80/130

 

 

Nr. 17-05-2, Oel auf Leinwand, 62/100

 

 

Nr. 11-12, Oel auf Leinwand, 90/120

 

 

 

 

 

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HALLEN Ostseite,  Foto © Nicola Deichmann

 

Online durch die Ausstellung
>>>   PanoTour   von Marc Cathomen

Berichte:   >>>   Pressestimmen

 

 

ATELIER   BILDER   RÄUME   2023

AUSSTELLUNG  in den ehemaligen  HALLEN FÜR NEUE KUNST  Schaffhausen
Kammgarn West, Baumgartenstrasse 23    3. Stock

Vernissage  –  Samstag 18. März 17.00 Uhr
Öffnungszeiten  –  19. März bis zum 16. April 2023
Mittwoch bis Sonntag, jeweils 16 bis 20 Uhr  –  und nach Vereinbarung

 

Die Vernissage:     >>>   21 Fotos von  Angelo Lucca


>>>   Ausgestellte Bilder, Positionen 1 bis 74    im pdf-Format, 66 Seiten

>>>   ERSTE  GEDANKEN  ZUR  AUSSTELLUNG
>>>   PRESSEBERICHTE  HALLEN

 

 

Ausstellung in den ehemaligen   HALLEN FÜR NEUE KUNST   in Schaffhausen  vom 18. März bis zum 16. April 2023

Gegen 400 Besuchende aus Schaffhausen und Umgebung, aus Graubünden, Basel, Luzern, Bern bis St. Gallen kamen zur Vernissage oder zu den 21 Ausstellungstagen – hiesige Fachleute attestierten ihr somit eine beachtliche Besucherzahl. Vor allem haben uns die positiven Rückmeldungen sowie die mündlichen und schriftlichen Würdigungen im Gästebuch gefreut. Manche Interessierte kamen mehrmals um die  BILDER  und  RÄUME  zu erleben, die unterschiedlichen Stimmungen und den Fortschritt der zwei  Atelierbilder  zum Thema  MORGEN  und  ABEND  zu beobachten. So konnte auf Fragen eingeganen werden.

Eine Freude waren mir einige Kinder, die sich lieber dem eigenen praktischen Zeichnen und Malen am Zeichnungstisch widmeten, es aber unbedingt auch mit Oelfarben ‘probieren’ wollten.

Positiv wahrgenommen wurden auch die Informationen und Begleittexte zu den Bildern – als willkommene Zugangserleichterung zur Malerei.

Gian Gianotti, 21. April 2023

 

 

 

Die Ausstellung wurde unterstützt von:


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Georg Fischer AG

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Fundaziun BIBLIOTECA ENGIADINAISA, Sils/Segl Maria

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PanoTour, Marc Cathomen
ICsupport, Claudio Cathomen

Fotos, Angelo Lucca, Winterthur

Besten Dank !

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GGK24 Schaffhausen

 

 

 

 

 

 

G I A N   G I A N O T T I    &    B E A T R I C E   C A L Z A F E R R I


L’ ALTRA PARTE

Ab 5. Januar 2024

ggk 
  Neue Galerie für Gegenwartskunst    Webergasse 39    8200 Schaffhausen     >>>   www.ggk-sh.ch

AUSSTELLUNG
Samstag, 6. Januar bis Samstag, 3. Februar

VERNISSAGE
Freitag, 5. Januar 2024 ab 18.00 Uhr

ÖFFNUNGSZEITEN
Donnerstag und Freitag, 16.00 bis 19.00 Uhr
Samstag, 11.00 bis 15.00 Uhr

oder nach Vereinbarung, Tel. 079 358 56 41

 

 

 

 

>>>   PanoTOUR    in einer 360° – Aufnahme der Ausstellung  (von Marc Cathomen)
>>>   Die Bilder      in grosser Auflösung

KONZERT – MATINEE

Sonntag, 14. Januar, 11.00 Uhr
Riet Buchli, Barock-Gitarre

Programm mit Schwerpunkt Bach

>>>  Das Musikprogramm

Bilder der Matinee vom 14. Januar

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von Bea Calzaferri

 

 

 

Beatrice Calzaferri, *1946

Aus den Bergen in die hügelige Weite, immer nah am Rhein.
Auf dem Weg bin ich Gian begegnet und damit «neuen Farben».

 

Seit ich das erste Mal die Ockerlandschaft des Luberon durchwandert habe,
lassen mich die erdenen Farben nicht mehr los.

Sie sind zu einem Spiel geworden
zwischen Fingern und Papier

ich tauche ein in die Pastelle – lasse mich treiben
und schaue wohin mich die Stunde führt.

 

Gian Gianotti

Noch vor meiner Ausstellung in den ehemaligen HALLEN FÜR NEUE KUNST hat mich Thomas Greuter, so bei Gelegenheit gefragt, ob ich meine Bilder in seiner Galerie zeigen möchte und gerne auch mit einem passenden ‘Gegenüber’. So ging die Suche los, nach Grund und Weg: mit wem und ob – vielleicht nochmals mit Adrian Bütikofer wie im Museum «Kunst und Wissen» in Diessenhofen 2021? Dafür schien mir der Raum dann doch zu klein, vor allem für ihn, und so fragte ich, in tagtäglicher Gemeinsamkeit Bea: «wollen wir zwei das zusammen machen?»
… das passte und das Echo war Programm:

L’ALTRA PARTE, die weitere Sicht auf dem gemeinsamen Gang – unser jeweiliges Visavis.

 

Seit 1995 sind beide wohnhaft in Dörflingen, im Kanton Schaffhausen

Dezember 2023

 

 

Seiten, Balance, Schritte? Ein gemeinsamer Gang?
Die andere Seite, … andererseits, also zweiseitig,
das andere Bein, die andere SichtDie Wiedererwägung als Möglichkeit,
als Chance, als Sicherheit,
als gegenseitige GemeinsamkeitDas Gegengewicht oder der zweite Flügel,
eine Stütze – oder eine Kontrolle?

Eine zweite Chance …?

Muss eine Gegenmeinung von einer anderen Seite kommen
oder kann sie auch eine eigene
Mehrschichtigkeit / Mehrsichtigkeit sein?

Die gemeinsame Sicht, Gegensicht, Ansicht, Absicht,
Aussicht, Umsicht … schon fast eine Rundumsicht
Das Gegengewicht, daraus die Balance –
das Gleichgewicht? der Gang zu zweitUnterschiedliche Gemeinsamkeiten,
die doppelte Trägerschaft
Ein ‘Sowohl-als-auch’, oder ein Visavis?
Auf oder von der anderen Seite,
die andere Talseite – die Bi-Sonanz – ein
hinübersehen, herüber-winken? hinüber-denken?
oder hin-gehen und her-kommen?Ist zweifach subjektiv bereits objektiv?
Hat die doppelte Behauptung ein höheres Gewicht
oder ist sie nur repetitiv – als Wiederholung?Das Eine tun, das andere nicht lassen

 

L’ ALTRA PARTE

 

Oder ist eine eigene Gegenmeinung nur eine Meinungslosigkeit …

eine Bereicherung oder eine Beliebigkeit?

Die zweite Möglichkeit, der andere Klang,
als Echo oder Spiegelung?

andere Perspektive? Erfahrung? Geschichte? Haltung?
Folge?

Wirkung?

Ist eine Kommunikation von Berg zu Berg bereits ein Alpsegen?

Die Begegnung, die Gegenmeinung,
die zweifache Absicherung, Überzeugung?

Der gemeinsame Gang, der zweite Weg,
der Gang zum Duett? oder zwei Einzelgänge?

Die rechte Seite und die linke / Die Richtige und die Falsche?

Wird daraus eine beliebige oder eine mehrfach richtige?

Eine breitere Basis? Respekt, Herausforderung oder Einladung?

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.>>>  PanoTOUR   der Ausstellung   die 360° – Aufnahme

>>>   Die Bilder     als pdf, 27 Seiten

 

 

 

 

PRESSESTIMMEN:

>>>   Zur Vernissage    SN, Jannette Vogel, 8.1.24
>>>   ggk Vorankündigung    SN, Schaffhauser Nachrichten, 3.1.24

 

>>>   Gästebuch

 

 

GROTTA SENT

 

>>>   Bilder, eine Auswahl
>>>   Ausstellungen

 

 

 

 

Vernissage, 2. August 2025

 

 

La GROTTA, Sent

 

 

Die Bilder:    >>>   tschel tschêl  oder  Der andere Himmel
Marc Cathomen hat wiederum eine PanoTour der Ausstellung aufgenommen, sie wird hier demnächst aufgeschaltet.

 

 

Beatrice Calzaferri

 

Inspiriert durch die Landschaften des Luberon.

Felsen in Ockertönen von hellem Gelb bis zu braunem Rot, in Licht und Schatten,
umgeben von grünstem Grün, überdacht von blaustem Blau.

Seit über 20 Jahren lassen mich diese Farben nicht mehr los.

Die Kreiden sind zu einem Spiel geworden zwischen Fingern und Papier.
Ich tauche ein in die Pastelle – lasse mich treiben und schaue, wohin mich die Reise führt.

 

Sent, August 2025

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Gian Gianotti

 

Davò üna vita cul teater, cun blera glieud,
in diversas dimensiuns tecnicas, linguas e temas litterarics
n’haja darcheu chattà, per gnir vegl,
üna nova occupaziun: la pittura.

Quistas inscenaziuns sun plü persunalas ed as conzentreschan sün impressiuns,
tensiuns e documentaziuns da muonds visualisats
per chattar ed offrir quietezza e concentraziun.

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Ich zeichne und male als Definition und Klärung einer Vision oder Stimmung,
als Gestaltung einer Idee.

Für meine Inszenierungen, immer wieder auch in eigener Ausstattung,
pflegte und verstand ich Zeichnungen und Malerei als Teil des Gesprächs,
um die Aussage optisch zu definieren. So waren diese, auch
Einrichtungen einer ‘Konzept-Kunst’ im Dienste weiterer Bedürfnisse
für die Umsetzung übergeordneter Verwendungen.

Nach meinem Theaterleben als Regisseur und der Corona-Pause
beschäftige ich mich hauptsächlich mit Malerei, auf der Suche nach Abstraktion.

Ich male auf Leinwand, mehrheitlich in Oel,
mit Vorliebe nach dem Goldenen Schnitt
und konzentriere mich auf impressionistische Farb-Räume.

 

2025

 

 

 

LA STRIA, 150 anni dopo

 

 

9° ARTipasto – Stüäda “La Stria” mit Gian Gianotti, Regisseur

Ort: Pretorio, Vicosoprano

17.04.2025

In Würdigung der Erstausgabe von “La Stria” (die Hexe) von Giovanni Andrea Maurizio vor 150 Jahren besprechen wir den Inhalt und die Absicht des Autors. Zudem bieten wir die Möglichkeit, sich erneut mit dem Werk auseinanderzusetzen.

Unter “Stüäda” versteht man eine “Stubete”, wie sie in Privathäusern stattfand, um die Abende im kleineren oder grösseren Rahmen zusammen zu verbringen.

Gian Gianotti, der Regisseur der letzten Stria-Inszenierung von 1979, erzählt uns von seinen Erfahrungen und beantwortet Fragen dazu. Die Veranstaltung um 17 Uhr ist eher für ein fremdsprachiges Publikum gedacht, das dem ‘Bargaiot’, dem Bergeller Idiom, interessiert und offen gegenübersteht.

Ab 18.30 Uhr, zwischen den zwei “Stüäda”, wird von Bregaglia Turismo im Atrium des Pretorios ein Apéro riche offeriert.
Stossen wir auf die Eröffnung des 9° ARTipasto an. Eviva!

Das Fernsehen der italienischen Schweiz RTSI hat die letzte Inszenierung von 1979 aufgezeichnet.
Wir empfehlen, die Reportage vor dem Besuch der Veranstaltung anzusehen:  >>>   La Stria, ossia i stinqual da l’amur

 

 

 

9° ARTipasto – Stüäda “La Stria” con Gian Gianotti, regista

Località: Pretorio, Vicosoprano

Per commemorare la prima pubblicazione, 150 anni fa, di “La Stria” (la strega) di Giovanni Andrea Maurizio, verranno discussi la trama della tragicommedia e l’intento dell’autore. Un incontro che ci consentirà di confrontarci di nuovo con quest’opera.

“Stüäda” è il termine usato per descrivere gli incontri che si tenevano nei salotti (stüa) delle case private, per trascorrere le serate in compagnia (parlando, filando…).

Gian Gianotti, regista dell’ultima rappresentazione della Stria del 1979, ci racconterà della sua esperienza e risponderà alle domande dei presenti.  L’incontro delle 20.00 è rivolto a un pubblico di lingua bregagliotta e italiana.

A partire dalle 18.30, tra una “stüäda” e l’altra, Bregaglia Turismo offrirà un apericena nell’atrio del Pretorio e si brinderà all’apertura del 9° ARTipasto. Eviva!

Nel 1979 la Televisione della Svizzera italiana RTSI riprese l’ultima trasposizione del teatro “La Stria”. Si consiglia agli interessati la visione del reportage prima di partecipare all’evento:  >>>   La Stria, ossia i stinqual da l’amur

 

 

 

 

L’energia di Gian Gianotti

Il regista è recentemente rientrato in Valle in occasione dei festeggiamenti per «La Stria». Sua è stata la regia del 1979, allora poco più che trentenne. Racconta che all’epoca aveva alle spalle pochi anni di esperienza e che, ripensandoci in seguito, avrebbe preso alcune decisioni differenti; a conclusione della breve chiacchierata però, a dimostrazione di quanto lo abbia appassionato il lavoro, dice che se qualcuno vorrà riproporlo volentieri lui sarà aperto al discorso.

È un testo, quello di Giovanni Andrea Maurizio, che ha scandagliato a fondo e per un’edizione pensata per il 2015, che poi non andò in porto, aveva pensato ad un taglio profondamente popolare. Nelle sue intenzioni avrebbe avuto grande rilevanza la musicalità della lingua, in collaborazione coi cori della valle e con la direttrice Nadia Negrini. Per una versione realizzabile vedrebbe la necessità di una quarantina di attori/attrici e di una decina di bambini.

A chi gli fa notare la sua energia spiega che il lavoro del regista non può esistere altrimenti: è come un bilanciamento di una ricerca storico-culturale e di una preparazione interna personale. Il prodotto per il pubblico deve essere coinvolgente, convincente, entusiasmante e ben comprensibile. Energico, appunto. Chi è interessato a cimentarsi con un lavoro su «La Stria» troverà senz’altro spunti e possibilità di contatto.

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Donatella Rivoir

Pubblicato il 5.5.2025 su   >>>   labregaglia.ch

 

Die Energie von Gian Gianotti

Der Regisseur von 1979 kehrte kürzlich anlässlich der Feierlichkeiten zu “La Stria” ins Tal zurück. Damals war er noch nicht dreissigjährig. Er sagt, dass er zu dem Zeitpunkt noch wenige Jahre Erfahrung hatte und dass er, wenn er dann später darüber nachdachte, einige Entscheidungen anders getroffen hätte. Zum Schluss des kurzen Gesprächs sagt er jedoch, um zu zeigen, wie leidenschaftlich er für das Werk war, dass er jemanden, der eine Inszenierung des Werkes wieder vorschlagen möchte, sicher gerne begrüssen wird.

Der Text von Giovanni Andrea Maurizio, den er für eine Anfrage für das Jahr 2015 wieder grundsätzlich angegangen war, ging nicht in die Umsetzung. Er hätte gerne eine aktuelle textliche Fassung eingerichtet, und in seiner Intention sollten die Musik und die Sprache, in Zusammenarbeit mit den Chören des Tals und mit der Leiterin Nadia Negrini eine grössere Bedeutung haben. Für eine mögliche Realisierung sieht er die Notwendigkeit von ca. 40 Darsteller/innen und 10 Kindern.

Auf seine Energie hingewiesen, erklärt er, dass die Arbeit des Regisseurs eben das sei: eine kulturell-historische Beschäftigung, mit einer persönlichen, inneren Bereitschaft und Vorbereitung. Das Produkt für das Publikum muss ansprechend, überzeugend, spannend und gut verständlich daher kommen. Energetisch, um genauer zu sein. Wer sich an einer erneuten Inszenierung von “La Stria” vorwagen möchte, findet sicherlich Ideen und Kontaktmöglichkeiten.

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Donatella Rivoir

Publiziert am 5.5.2025 auf   >>>   labregaglia.ch

 

 

 

Wakkerpreis 2015

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… zum fünften Mal nach Graubünden – ins Bergell

Wie der Heimatschutz mitteilte, wird mit dem Wakkerpreis 2015 eine Talschaft am Rande der Schweiz gewürdigt, die aus dem baukulturellen Erbe Kraft schöpft, um eine eigenständige Entwicklung voranzutreiben. Die Talschaft habe ihre wertvolle Baukultur und die intakte Kulturlandschaft als Standortvorteile erkannt.

Weiter schreibt der Heimatschutz, gemeinschaftlich entwickelte Strategien, eine Sensibilisierung der Bevölkerung und die frühzeitige Beratung am Einzelobjekt hätten den Erhalt der gebauten Identität ermöglicht und hochwertige zeitgenössische Architektur gefördert.

Die Gemeinde Bregaglia (Bergell) entstand Anfang 2010 aus der Fusion von Bondo, Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano. Die neue Gemeinde mit einer Bevölkerungszahl von etwa 1600 hatte von Anbeginn das Stimm- und Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer auf kommunaler Ebene in der Verfassung verankert.

Symbiose von Landschaft und Siedlung

Die Gemeindefusion hat laut dem Heimatschutz die Chance eröffnet, mit einer Gesamtstrategie Stärken zu erkennen und neue Ziele zu formulieren. Die Kulturlandschaft, eine Symbiose von Landschaft und Siedlung, sei als Standortvorteil nicht nur für den Tourismus erkannt worden, sondern ebenfalls für die Wohn- und Lebensqualität.

Der Wakkerpreises ist mit einem Preisgeld von 20’000 Franken verbunden. Die Preisübergabe findet am 22. August statt. Das Preisgeld hat laut Heimatschutz eher symbolischen Charakter. Der Wert der Auszeichnung liege vielmehr in der öffentlichen Anerkennung einer vorbildlichen Leistung hinsichtlich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung.

Erstmals vergeben wurde der Wakkerpreis 1972 durch ein Vermächtnis des Genfer Geschäftsmannes Henri-Louis Wakker an den Schweizer Heimatschutz. Bregaglia ist die fünfte Bündner Wakkerpreis-Gemeinde. 1975 wurde der Unterengadiner Gemeinde Guarda die Anerkennung zugesprochen, 1995 Splügen, 1998 Vrin und 2010 Fläsch.

 

 

 

MEIN KOMMENTAR DAZU
März 2015

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Ecco! Ce l’abbiamo fatta – un’altra volta!

… di non avere la propria STRIA
anche per queste nostre generazioni di oggi.

Un’altr’occasione sprecata: Peccato!

Cosa vale poi un premio Wakker se in valle la vita culturale collettiva non si sà più decidere nemmeno per una cultura vissuta che tocca e che si occupa giusto per la propria lingua, identità e storia?

Che figura!

G

 

Also, haben wir es geschafft! – “schon wieder”:

… dass wir unsere eigene STRIA auch für unsere
heutigen Generationen ‘wieder’ nicht haben.

Welch verpasste Chance: Schade.

Was bringt ein Wakkerpreis, wenn sich das kollektive, kulturelle Leben im Tal nicht einmal mehr für die eigene Kultur einsetzen kann, das sich gerade für die eigene Sprache, Identität und Geschichte einsetzen will?

Wahrlich, eine wackere Leistung!

G

 

 

..

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Tildy Hanhart

 

Gian Gianotti: Spiel der Farben im Licht

 

 

Von seinem Haus in Dörflingen sieht Gian Gianotti nach Süden über weitoffenes Land bis hin zu den Alpen, darüber der unendliche Himmel. Es ist diese „Himmel-Land-Schaft“, wie er sie nennt, die ihn inspiriert. Dieses andauernde Schauspiel wechselnder Farben, Flecken und Bewegungen je nach Wetter, Sonnenstand, Tages- und Jahreszeit malt er auf meist grosse Leinwände.

Aufgewachsen im Bergell, der schroffen Bergwelt, dessen Tal im Winter im Schatten liegt, in welches erst die höher steigende Sonne der länger werdenden Tage wieder Licht bringt, dieses frappante Wechselspiel von Schatten und Licht prägt ebenfalls seine Malerei.

Was Gian Gianotti fasziniert, sind die Wirkungen des Lichts. Er gestaltet sie zu dynamischen Farbvisionen einer nur angedeuteten Landschaft oder Himmelspartie. Manchmal sind Elemente der Natur – Regen, Schnee, Wind, ein Gewitter, eine Felspartie, ein Landschaftsgefüge – zu erkennen. Oder es sind Blüten eingestreut in ein rhythmisch grünliches Pinselgestrichel.

Gegenständliches fehlt mit wenigen Ausnahmen. Es figurieren vielleicht ein Baum, der eigene Kopf von hinten oder einige Bergspitzen. Mit seiner Kopfkomposition von hinten assoziiert sich Gianotti zwar mit einem zentralen Genre der Malerei, dem Selbstporträt. Aber statt des Blickwechsels mit dem potenziellen Betrachter wählt er dessen Position und betrachtet den Farbklang des Hintergrunds des Bildes und verweist auf das, was ihn in der Malerei interessiert.

Kürzlich weilte Gianotti bei seinem Bruder auf dessen Alp im Bergell, der ihn um ein Bild der dortigen Berglandschaft bat. Doch vier, fünf Tage war alles im Nebel, bis stellenweise das Bergpanorama den Nebel durchbrach. Gianotti bewegte und beeindruckte die Bergschwere in der Nebelleichtigkeit. Das wollte er malen und kommentiert: „Vier Nebelbilder sind entstanden, darunter das Kompakte des Berges, darüber das Leichte des Nebels. Es entstand ein erstes Bild, ich liess es im Entstehungsprozess stehen. Ich malte auf neuer Leinwand eine zweites Nebelbild, dann ein Drittes, ein Viertes. Statt wie bisher weiterarbeiten nochmals anfangen.“ Dabei ist es Gianotti gelungen, mit dem Figürlichen der Bergspitzen ein Gegengewicht zur Abstraktion des angedeuteten Nebels und Himmels zu schaffen, statt das Gegenständliche durch weitere Übermalung zu implizieren.

Gianotti geht es hauptsächlich um eine abstrakte Gestaltung seiner Seherlebnisse. „Abstrakte Farbmalerei ist kein Geschmier, sondern die Suche nach einer Ordnung, nach Qualität, nach einer Kommunikation durch die Farbe“, so die Ansicht des Malers. „Es geht um die Suche nach einer Harmonie und zugleich nach Spannung – um Darstellung eines Kontrapunktes wie Hell und Dunkel.“ Dies gestaltet er als komplexes Farbgefüge, beim Betrachten leicht wirkend, aber aufgebaut aus mehreren Farbschichten, die sich durchschimmern. Gianotti ist ein Übermaler oder Schichtenmaler. Seine abstrakte Farbmalerei hat etwas Skulpturales. Er grundiert seine Leinwand. Darauf konzipiert er ein erstes Farbengefüge. Es folgen weitere Übermalungen, um einen bestimmten Farbklang herauszuarbeiten. Sei es in Gelbtönen, in Blauvariationen, in Grün, Grau, Weiss, Rötlich eher selten, eher noch in Blauschwarz.

Dabei entsteht durch die verschiedenen Schichten ein farbliches Schimmern. Dieses akzentuiert der Künstler mit rhythmischen Farbstrichen, starken Farbakzenten oder wolkenartigen Farbflächen. Erzeugt werden auf diese Weise eine Art abstrakte Landschaften oder Himmelansichten, aber auch eine gewitterschwere Stimmung, ein Regenfall, ein Schneegestöber, ein sommerliches Flimmern, Wind- und Sturmimpressionen. Was auffällt, die Pinselstriche gehen meist von oben rechts nach unten links, wie Regenschauer. Das bringt eine Dynamik in die Bilder. Es gibt auch in sich ruhende Farbklänge, vergleichbar einer Glut oder einem Verleuchten einer Abend- oder Morgenstimmung. Ein Vordergrund, respektive Hintergrund fehlt, wesentlich ist das Spiel der Farben in der Bildfläche.

Farbkontraste bewirken Spannung im Bild, ebenso tun dies in einen Farbklang eingefügte starke Akzente. Andeutungen wie ein Landschaftsgefüge, eine Felspartie, Regen oder Schneeflocken ermöglichen eine reale Positionierung. Sie können aber zu einer ungewollten Fixierung auf das Figürliche verleiten – und das möchte Gianotti vermeiden.

„Abstrakt malen öffnet einen Freiraum, ein Schweben im Raum, dann plötzlich braucht man einen Akzent, etwas Konkretes, das baut eine Spannung auf. Die Gefahr dabei, dass man ins Konkrete fällt“, kommentiert Gianotti. „Es ist schwierig, sich beim Malen vom Dinglichen, Sachlichen zu lösen.“ Lässt man sich auf das Figürliche ein, besteht die Gefahr der Einengung. Die Schönheit und die Kraft der Farben sollen zur Wirkung kommen, jedoch nicht programmatisch, wie bei den Zürcher Konkreten, auch nicht so kontrapunktisch wie bei den Divisionisten oder den Pointilisten, sondern als Ausdruck des Seherlebnisses. Eindrücklich gelungen ist die Balance von Dinglichkeit und Abstraktion im Schneegestöber-Bild „I NAIVA E NAIVA“, da fallen Schneeflocken aus schimmerndem dunklen gelblichgrauem Himmel auf helle bläulichgraue Schneefläche.

Dem Maler Gianotti geht es um frei gestaltete Farbräume, welche durch die Farbklänge von Hell und Dunkel und durch die Struktur des Farbauftrags eine Spannung aus Leichtigkeit und Schwere erzeugen. Ausgangspunkt ist eine gewisse Vorstellung eines Landschaftsgefüges, eines Wolkenhimmels in unterschiedlicher Beleuchtung und Wetterstimmung. Die Dörflinger Umwelt bietet dazu eine Fülle wechselnder Ansichten. Ebenso variantenreich gestaltet der Künstler seine Farbräume – düstere, lichtvolle, bedrohliche, stürmische, still leuchtende. Mit seinen Farbimpressionen deutet er Erlebtes an und weckt auch bei den Betrachtenden Erinnerungen an Erlebtes. Obwohl weitgehend abstrakt rühren Gianottis Bilder an konkret Erlebbares.

Ziel seiner Malerei ist das vielfältige Leuchten des Lichts. Das geht bis zum ersten Aufleuchten des Lichts auf dem noch dunklen Kosmos. Was ist Licht? Ein Farbklang in unendlich vielen Variationen. Bei Velasquez ist es der Widerschein auf Seidenstoffen. Bei Rothko sind es schimmernde Farbebenen. Bei Mondrian erzeugen geometrisch gesetzte Primärfarbflächen Lichtwirkungen. Bei Turner sind Stadtansichten und Landschaften in einen gesamtheitlichen Lichtklang getaucht. Bei Rembrandt leuchten die Figuren aus dem Dunkel hervor. Matisse sagte mal explizit: „Das Hauptziel meiner Arbeit ist die Klarheit des Lichts.“

Bei Gianotti geht es um die Wirkung des Lichts. Malend sucht er das Geheimnis des Lichts in seinen unendlich vielen Variationen zu ergründen und zu manifestieren. Scheint die volle Sonne, leuchtet alles auf. Ist der Himmel bedeckt, zeigt sich dieselbe Landschaft ganz anders. Im Lauf des Tages und der Jahreszeiten, dem Wechsel des Wetters erscheint Dasselbe immer wieder anders. Dieses Wechseln ist der Bildgegenstand für Gianotti. Das ist es, wofür er immer wieder eine neue Leinwand aufspannt und seine Farben richtet. Verwandtschaftliches seiner leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Farben im Spiel des Lichts empfindet er in der Malerei von Gerhard Richter, den Bergellern Augusto Giacometti und Giovanni Giacometti wie auch bei Claude Monet.

Wichtig ist Gianotti die Gesetzlichkeit des Goldenen Schnittes. Dieser bestimmt seine Bildmasse. Denn damit die Farbkompositionen zur gewünschten Wirkung kommen, muss das Verhältnis von Höhe und Breite der Leinwand oder der Malplatte stimmen. Gianotti malt hauptsächlich mit Ölfarben. Sie trocknet langsamer und gibt Bedenkzeit fürs Weitermalen. Allerdings möchte er manchmal schneller weitermachen, was mit Acryl leichter möglich ist.

Gianotti malt seine Bilder des Lichts im fensterlosen Untergeschoss seines Hauses, nicht wie die Impressionisten im Freien. Die Stimmung, die er auf der frischen Leinwand hervorbringen will, hat er als Seherlebnis im Kopf oder als Skizze oder Fotografie dokumentiert. Er erinnert sich vielleicht an ein Wetterleuchten, das er von seinem Haus aus beobachten konnte, an einen Regenschauer, der über das Land hinweg zog und die Wiesen aufdampfen liess, an einen Schneesturm in seiner Kindheit, an das Aufleuchten einer Bergflanke. Es sind Impressionen, die Gianotti aus der Erinnerung auf der Leinwand als bewegten Farbklang sichtbar macht. Seine Bilder kennzeichnet er meist nur mit einem Zahlenkodex ihrer Entstehung. Selten tragen sie einen Titel, wie etwa eine Ortsbezeichnung, einen symbolischen Namen oder bezeichnen ein Naturereignis. Das Malen ist Erzählen mittels Farben und Pinselduktus. Ein Bild ist eine Momentaufnahme eines Seherlebnisses, eines Eindrucks oder einer persönlichen Befindlichkeit, die die zeitliche Dimension und Aktualität überlebt haben.

Der Mensch ist ein Wesen, das sich ausdrücken will und muss. Es gibt immer einen Kontext, welchem der Mensch ausgesetzt ist, wozu er wenn möglich Position bezieht und sich findet. Das bin ich, das mache ich, das wird mir angetan, das bedroht mich. Wir leben in einer sehr bewegten, bedrohlichen, von Kriegen bestimmten Zeit, in der viele Menschen unendlichem Leid unterworfen sind. In unserem Land haben wir das Privileg grosser Sicherheit. Doch auch bei uns ist die Fragilität des Lebens in den Vordergrund gerückt. Angesichts der gegenwärtigen Bedrohungen, könnte man fragen: Darf Gian Gianotti weiterhin seine Farbklangbilder malen? Ist ein Engagement für Kunst noch erlaubt oder Luxus? Die Antwort: Gerade in einer auf Zersetzung und Zerstörungsbereitschaft ausgerichteten Zeit ist Kunst, Musik, Literatur als Ausdruck von Widerstand, als freies Gestalten und Denken nicht nur notwendig, sondern unverzichtbar.

 

Dr. Tildy Hanhart, Kunsthistorikerin

Zürich, Oktober 2023

Paul Steinmann

 

Gian. 75. Bilder und Theater

von Paul Steinmann

 

Als Theaterautor habe ich einige Male mit Gian zusammengearbeitet. Dabei habe ich immer wieder wahrgenommen, dass Regisseur Gianotti meinen Text grundsätzlich erst einmal ernst nimmt. Oft hat er in den Szenen und Geschichten, in den Dialogen und Figuren meines Textes Ebenen und Gedanken gefunden, die mir selbst beim Schreiben gar nicht so aufgefallen waren. Gian hat mich animiert, in gewisse Richtungen noch weiter zu gehen, weiter zu denken, weiter zu schreiben. Seine Assoziationen beim Lesen und Inszenieren meiner Texte – z.B. in religiöser, kultureller, emotionaler Richtung -, haben das Geschriebene aufgewertet und reicher gemacht.

Ich habe mit Gian ein Gespräch geführt, ihm ein paar Fragen gestellt und seine Antworten und Ausführungen über das Malen von Bildern und das Inszenieren von Theater notiert.

 

Wenn man Gian etwas fragt, erhält man immer eine Antwort.
Ein kluge,
eine mit Beispielen,
eine, in der seine Lebenserfahrungen mitschwingen.
Gian kann herrlich plastisch erzählen.

Zu Beginn erzählt Gian die Geschichte vom verpassten Zug in Wien.
Der falsche Abgangs-Bahnhof!
Die Taxifahrt zum ‘richtigen’ Bahnhof und das rote Licht des sich entfernenden Zuges.
Knapp verpasst.

Als Zuhörer ist man mittendrin in der kleinen Katastrophe
und lacht mit ihm,
dem Erzähler,
und leidet mit und schüttelt den Kopf und vergisst,
dass man hier ist, um Anderes zu besprechen:
zum Beispiel über Bilder und Theater.

Gian wäre nicht Gian, wenn er aus jenem Erlebnis mit dem falschen Bahnhof nicht etwas Allgemeingültiges für das Leben herauslesen könnte.
Es war mühsam, wie es eben manchmal ist, aber auch witzig und irgendwie spannend.
Leben eben.

Natürlich,
sagt Gian,
merke er, dass er älter werde.
75.

Aber die Gesundheit sei noch da und die Kraft und die Lebenslust.
Es fehle an nichts.
Und wo er mit seiner Liebsten wohne, das sei ein Paradies.
Er brauche keine Reisen.
Die Reisen geschähen in ihm drin.

Beim Lesen.
Beim Malen.
Beim Denken.
Beim handwerklichen Tun.
Beim Steine schichten im Garten.

Dass man älter wird merkt man auch daran,
dass rundum Leute sterben.
Es kommen viele Todesanzeigen ins Haus.
Menschen, die sagen: jetzt ist gut. Machen wir Platz für andere.

Gian nippt am Tee und sagt:
er wolle einfach ernst genommen werden mit dem, was er mache.
Als Maler und als Theatermann.
Er möchte über seine Bilder und über das,
was auf der Bühne geschieht,
ernsthaft sprechen können.
Ohne sagen zu müssen: so und so ist es und nicht anders.
Divergenzen müssen sein.

Gian malt.
Er ist ganz in seinem Mal-Raum und malt.
Gian bleibt dran.
Er ist ganz drin.
Manchmal vergeht die Zeit schnell
und die Stunden
Kommen und gehen.
Er weiss nicht wie.
Manchmal vergehen die Minuten kaum.
Die Farbe will nicht auf das Bild.
Er weiss nicht warum.
Oft fliesst es, oft harzt es.
Gian weiss nicht, wieso.
Aber er weiss, dass das wichtig ist.
So und anders und so.

Gian inszeniert.
Er ist ganz im Stück drin und inszeniert.
Gian bleibt dran.
Er ist ganz drin.
Manchmal vergeht die Probe schnell
und die Stunden
fliegen.
Er weiss nicht wie.
Manchmal vergehen die Minuten kaum.
Und was er vorbereitet hat,
der Regisseur,
am Schreibtisch,
wird plötzlich öd und leer.
Oft fliesst es, oft harzt es.
Es gibt Gründe.
Gut, wenn man sie findet, benennt und klärt.
Nicht immer gelingt es zur Zufriedenheit aller.

Gian hat immer seine Geschichte mit dem Bild.
Und die behält er (meistens) für sich.
Sie ist im Bild drin – für ihn.
Und wer ihn gut kennt, kann vielleicht erahnen,
was das für eine Geschichte sein könnte.
Wer ihn nicht gut kennt,
den Maler Gian,
könnte eine eigene Geschichte finden.
Wer seine Bilder ernsthaft betrachtet
wird eine eigene Geschichte finden.

Was Gian schätzt:
allein vor dem Bild stehen und es gestalten.
Mit Pinsel und Farbe.
Das Bild entstehen lassen.
Die Hand locker.
Sie führt aus, sie tut.
So oft und so lange wie nötig.
Bis zu dem Punkt, wo die Qualität stimmt.
Wo es nichts weiter mehr braucht.
Es dann noch besser machen zu wollen, kann das Bild vermiesen.

Beim Malen ist der Absturz nah.
Plötzlich erkennt der Maler Gian: das war zuviel.
Unnötig.
Das Bild hat seine Qualität verloren oder gar nie erreicht.
Was aber nicht heisst, dass Gian das Gemalte wegwirft.
Er erkennt im guten Fall,
dass sich eine neue Spannung ergeben hat.

Auf die Unterschiedlichkeit angesprochen:
Theater ist Moment.
Ein Bild ist etwas, was den Moment überdauert.
Und für Gian ist beides gut und wichtig.

Gian liebt den doppelten Boden.
Er will, dass seine Gedanken,
seine Bilder,
seine Inszenierungen andere zum Denken,
zum Gedankenmalen und -inszenieren,
anregen.
Räume öffnen und zum Klingen bringen.
Und dann entsteht so,
aus einer künstlerischen Produktion,
eine neue Bedeutung,
ein anderes Angebot für jemanden,
der/die das anschaut, dem zuhört.

Ein gutes künstlerisches ‘Produkt’ hat Hintergedanken,
Untergefühle,
Übertöne.
Bietet Klangräume,
die man sich öffnen kann,
in die man hineinhorchen kann.

Gian sagt, er wolle nicht irgendwas machen.
Was Zufälliges? Nein.
Er will mit einer Idee eine Stimmung prägen.
Aber die/der Betrachtende muss dann diese Idee schon selber finden.
Oder angeregt werden, darüber nachzusinnen.
In seiner abstrakten Malerei möchte Gian
genügend Einstiegsmöglichkeiten bieten,
damit man sich als Betrachter/in damit beschäftigen kann
um eigene Visionen, Erlebnisse und Stimmungen zu finden.
Dann wird das Bild ihr/ihm wichtig.

Wenn die Betrachter/innen Freude haben,
berührt werden von einem Konflikt,
einer Lösung, einer Last oder einer Hoffnung,
dann ist das Bild, die Inszenierung für Gian gelungen.
«Dann bin ich glücklich.»
Nicht, weil er mit seiner Arbeit beweisen will,
dass er ‘recht’ hat,
sondern als Einladung eine Einsicht zu gewinnen,
einen Wert zu schätzen,
eine Stimmung als Qualität wahr zu nehmen.

Gian sagt:
«Ich will schon recht haben
und meist habe ich auch recht,
bis ich eingestehen muss
– nach langem Leiden –
ich habe doch nicht (ganz) recht.»

Das Ende dieses Prozesses,
diese Reibung an Gedanken und Intuitionen
ergibt dann aber doch ein Resultat.
Etwas, was man nicht vorausgesehen hat.
Eine Gegenfarbe, die gefehlt hat,
und nun bewirkt,
dass ein Bild wirklich zu überzeugen vermag.

Gian sagt,
er wolle sich als Maler nicht mit Sachen abgeben,
die man betiteln kann.
«Der Alte am Stammtisch» oder «Der Hund und die Katze».
Er will nicht einen Titel für etwas,
was man eh sieht.
Seine Bilder sind nicht Abbilder von Tatsächlichem.
Sie sind vielmehr eine ‘Dokumentation’ von etwas,
was ist,
was er aber selber oft selber gar nicht kennt und benennen kann.
Gian ‘dokumentiert’ also mit seinen Bildern
(auch auf der Bühne)
jene unbekannten Gedanken,
die die Betrachtenden haben (können).

Gian geht beim Malen
und beim Inszenieren
auf die Suche nach Aussagen.
Nach Konflikten.
Nach einer Idee, die er angehen, umsetzen will.
Nach einer Thematik, die er kommentieren oder für sich aufschlüsseln möchte.
Das könnte er auch mit einem
Begleit-Text oder einem Bilder-Titel begrifflich erklären,
aber das würde Betrachtende wohl zu sehr einengen.
Gian möchte einladen,
selber nachzudenken,
selber einen Text oder Titel zu fertigen,
selber zu assoziieren.
Dem Bild so ein ‘Daheim’ zu geben.

Eine Inszenierung
entsteht nicht (wie ein Bild) im stillen Kämmerlein,
sondern mit der Auswahl des Textes,
dem Gespräch mit der/m Autor/in,
den Proben mit den Spielenden,
den Anweisungen an die Technik,
der Auseinandersetzung mit Bühnenbild-, Musik- und Kostüm-Verantwortlichen.
Und im Bewusstsein,
dass es ein einzuhaltendes Budget gibt,
eine Erwartung des möglichen Publikums
und schliesslich auch die Erwartung an die Leistung des Regisseurs Gian Gianotti.

Im Theater ist der Mitmensch
und die ganze Infrastruktur gross:
der ganze Ablauf,
alle Erwartungen der mitmachenden Partner:innen,
der Vorgesetzten,
der ‘Untergebenen’,
der Schauspieler/innen,
die wieder Zuschauende haben,
die wiederum eigene Interessen verfolgen,
ihre Sicht vielleicht bestätigt haben möchten,
applaudieren wollen,
rechtzeitig nach Hause gehen wollen.

Eine Theaterprobe beginnt oft mit der Frage:
was ist gestern, vorgestern, letzte Woche passiert?
Und was könnte jetzt geschehen?
Könnte etwas aufbrechen?
Und wenn etwas aufbricht – wie geschieht das?
Kann er als Regisseur dieses Aufbrechen sogar lenken
– in eine gute Richtung?
Wie kann man die Energie des Aufbrechens für die Inszenierung nutzen?

Und dann gibt es Schauspieler/innen,
die sich einfach weigern,
den zu spielenden Text kennenzulernen.
Ihn nicht lernen,
nicht platzieren können (wollen)
– und haben tausend Ausreden,
um sich nicht mit dem Text beschäftigen zu müssen.
Mit seinem Hintergrund,
seinem Klangraum,
dem Echoraum hinter den Wörtern,
den Gedanken hinter der Sprache.

Theater:
Die Menschen einladen
und Solidarität zeigen,
auch im Konflikt.
Nicht blossstellen.
Aber manchmal muss man als Regisseur auch Nein sagen!
Jetzt nicht so!
Noch nicht so!
Und: nicht aufgeben!

Natürlich spielt das Theater
auch eine wesentliche Rolle
bei der Formulierung von Gedanken.
Aber im Umgang mit Menschen besteht die ‘Gefahr’,
dass der Gedanke verloren geht,
weil man oft in das ‘Mitmenschliche’ hineingerät.
Dann kann es geschehen,
dass man jemanden (z.B. ein Publikum) überzeugen will,
dass man recht haben will.
Und Rechthaberei ist
kein guter Ausgangspunkt für eine Behauptung.
Rechthaberei verbaut die Einladung,
selber nachzudenken.

Die Energie kommt aus der Energie, die man gibt.
Das ist beim Malen und auch in der Theaterarbeit so.

An einem schlechten Tag
hört Gian nach zwei Stunden auf mit Malen.
An einem guten kann er 10, 15 Stunden dranbleiben.
Und merkt nicht mehr,
dass der Mittag schon längst vorbei ist.

Man kann beim Malen im Alleingang
(man drückt selber auf die Tube)
etwas behaupten und warten,
bis man bestätigt wird oder sich hinterfragen kann.
Und ändern muss.
Oder bis man merkt,
spürt,
weiss,
so kann das Bild stehen bleiben.
Das ist bildende Kunst.
Gian sagt: «Und dafür bin ich selber und allein verantwortlich.»

Wenn es gut läuft beim Malen,
ist es gut.
Wenn es harzt,
dann harzt es eben.
Das Gute ist:
Maler Gianotti hat keinen Druck, keinen Termin, muss nichts abliefern.
Er kann die Zeit, die Zukunft selber gestalten.
Er muss niemandem etwas beweisen.
Nur sich selber möchte er noch ein paar Sachen beweisen.
Zum Beispiel die Lockerheit erlangen,
ein Wort oder einen Strich so zu platzieren,
dass man merkt: das stimmt.

«Das Wort, das Farbe bekennt»
wäre der Titel eines Texten,
den Gian Gianotti noch schreiben möchte.