Strindberg, FRÄULEN JULIE

1990     S / D

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Strindberg: FRÄULEIN JULIE
Stadttheater Chur, Direktion Albrecht Eckle.

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August Strindberg: Fräulein Julie
In der Übersetzung von Peter Weiss
Stadttheater Chur, Direktion: Georg-Albrecht Eckle

Premiere: 25. Oktober 1990

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Inszenierung und Bühnenbild: Gian Gianotti
Kostüme: Simone Girardin
Dramaturgie: Christine Lemke

Technik: Peter Broersen
Beleuchtung: Hans Schittenhelm
Grafik/Plakat: Daniel Rohner

Rechte: Suhrkamp

Bühnenmusik:  Einspielungen aus Ali Bain and friends (Irische Volksmusik) und Pierre Favre und Tamia (Schlagzeug und Gesang)

 

Besetzung:

Fräulein Julie: Leontina Lechmann
Jean: Beat Knoll
Krystin: Katharina Kronberg

Volk:
Marco Luca Castelli, Claudio Cathomen, Beda Frei,
Serena Fueter, Sara Haas,
Ursina Lardi, Mara Melcher,
Paul Schmed, Jos Schmid, Rolf Schmid,
Ariane Senn, Orit Teply, Ursina Trautmann,
Curdin Vincenz, Gion-Duri Vincenz

 

 

Die Inszenierung wurde am 13. und 14 März 1992 im Kurtheater in Baden in einer angepassten Einrichtung gezeigt. Die Volksszene wurde mit 14 Mittelschüler und Mittelschülerinnen aus der Region neu eingerichtet, die Musik wurde live gespielt von David May (Geige, irische Volksmusik).

In einem Rahmenprogramm von Gian Gianotti mit Texten von und über Strindberg fand am 12. März 1992 eine Einführung für die Mitglieder des Theatervereins Baden stattÜber die Heftigkeit des Einbruchs.

Jeanne Roth (Gesang)
Javier S. Miguel (Klavier)

Leontina Lechmann, Beat Knoll, Katharina Kronberg, Gian Gianotti

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Besetzung:

Fräulein Julie: Leontina Lechmann
Jean: Beat Knoll
Krystin: Katharina Kronberg

dazu als Volk: Mittelschüler und Mittelschülerinnen der Kantonsschule Baden

Florence Girod, Eva Maurer, Thomas Strässle, Claudia Winkler,
Marion Steiger, Katharina Kuhn, Marianne Fernández, Caroline Moor,
Georg Gindely, Laura Meyer, André Sandmann, Myriam Spörri,
Susanne Stevanovic, Nataša Hadžimanović

Chorführer: David May (Geige, irische Volksmusik)

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Stadttheater Chur, FOYER, Ein Magazin, zweite Ausgabe / Oktober 1990
Redaktion: Felix Benesch, Christine Lemke

STRINDBERG
FRAULEIN  JULIE

Wird einer gefragt, ob er in Graubünden einen Theaterregisseur kenne, so wird sein Name als erster fallen: Gian Gianotti war und ist wohl noch immer der initiativste Theatermann unserer Gegend. Doch so nachhaltig seine Wirkung auf die Bündner Kulturlandschaft ist, so verkannt wurde er immer wieder. Als unruhiger Geist, der sich nicht mit Wasser und Brot abspeisen lassen wollte, suchte et das Weite. Die letzten Jahre arbeitete er hauptsächlich an Theatern in der übrigen Schweiz und im Ausland. Nun inszeniert er endlich wieder in Chur. Zum ersten Mal überhaupt am Churer Stadttheater.

Die Churer Freilichtspiele sind hauptsächlich sein Kind, mit unkonventionellen Projekten hat er die Theaterbegeisterung in die Täler getragen, das Riesenfestspiel “Bündner Wirren” letzten Sommer in Davos war sein bislang letzter Streich in Graubünden. Gianotti ist ein eigenwilliger Regisseur. In den grossen Kulturbetrieben hat er zwar auch gearbeitet, doch ging es ihm immer wieder um anderes: sein Anliegen ist ein Theater, das in der Bevölkerung verankert ist und aus regionaler Geschichte und regionalem Brauchtum schöpft. Produktionen in verschiedenen Dörfern und Regionen des Kantons, wie “Das Walserschiff” in Splügen, “Adam da Chamues-ch” in La Punt, “Il Crap fess” in Bergün zeigten auf, wie Gianotti das meint. Es waren Pionierleistungen, die mittlerweile vielerorts Nachahmung finden, wenn auch selten so fundiert. Die Proben zu Strindbergs “Fräulein Julie” laufen auf Hochtouren. Wir haben uns mit ihm über seine Arbeit, seine Beziehung zu diesem Stück, zu Chur und zum hiesigen Stadttheater unterhalten.

EIN  STÜCK  IM  SPANNUNGSFELD  ZWISCHEN  “EMANZIPATION”  UND  “KONFRONTATION”

Foyer: Warum hat Gian Gianotti bisher noch nie am Churer Stadttheater gearbeitet?
Gian Gianotti: Es kam bisher nicht dazu’ Die Umgebung für das Gespräch war nicht gegeben und es musste ja auch nicht sein. Jetzt darf es sein und soll es auch sein dürfen.
Foyer: Warum Strindberg, warum “Fräulein Julie” in Chur?
Gian Gianotti: “Fräulein Julie” ist ein komplexes, ein gutes, ein grosses Stück, das mit einer kleinen Gruppe verwirklicht werden kann. Gewissermassen ein Studiostück für die grosse Bühne, eine Theaterform, die ganz bestimmte Qualitäten und Sensibilitäten zeigen kann. Die Grundthemen der Strindbergschen “Julie” wären meiner Ansicht nach am besten mit “Tabu und Intimität” zu umschreiben – so nennen wir ja auch die Einführungsveranstaltung in die Inszenierung. Es geht dabei sicherlich um Sexualität, um Abhängigkeit, um Bindungen und um Befreiung von Bindungen. In meinem Umgang mit diesen Begriffen spielt dann der Bezug zu Graubünden noch eine gesonderte Rolle. Das Stück ist sehr stark anzusiedeln im Spannungsfeld von “Emanzipation” und “Konfrontation”, es sind Machtstrukturen im Bereich der Gefühle und der Sexualität, die vom Autor wie mit einem groben Pinselstrich – ganz genial – im Grunde nur angedeutet, nur markiert werden. Stindbergs Figuren stellen diese Strukturen bis in den Tod hinein in Fra€ge, sie sind mit einer Verletzbarkeit auf der Suche nach Wahrheit, die ganz ungeheuer ist. Da prallen Menschen aufeinander, und so fliegen die Fetzen, wie es auch sein soll, damit Neues gedacht werden kann. vielleicht ergibt sich daraus sogar eine neue Perspektive im Leben oder eine Bestätigung für die alte unter neuen Vorzeichen – sicher aber eine Kraft, auf die wir angewiesen sind. “Fräulein Julie” ist ein Kampf, den jeder mal im Leben durchzukämpfen hat, jeder für sich und mit sich. Je nach Mut und Radikalität könnte dieser Kampf Konsequenzen haben.

ES  LÄUTET  UND  TÖNT  AUS  ALLEN  RITZEN

Foyer: Ist “Fräulein Julie” im Sinne dieser erstarrten Strukturen zwischen den sozialen Ständen wie zwischen den Geschlechtern ein Stück für das Tälerland Graubünden, mit seinem so ausgeprägten Eigensinn?
Gian Gianotti: “Julie” ist nicht unbedingt eine Bündnerin. aber es gibt sicher sehr ähnliche Abhängigkeiten und sehr ähnliche Tabus. Das Verhältnis, zwischen dem adeligen “Fräulein Julie” und dem Kammerdiener Jean könnte man auch übersetzen in Selbstfindung gegen Profit oder Neugier gegen Berechnung. Und das sind Gegensätze, die uns hier und heute alles andere als fremd sind.

WAS  KANN  ICH  MEHR  WÜNSCHEN?

Foyer: Das klingt jetzt alles sehr psychologisch. Worin liegt für Dich das so viel beredte Politische in diesem Stück?
Gian Gianotti: Ich glaube nicht, dass man das eine vom anderen in dieser Weise trennen kann. Aber um zu antworten: Profitgier ist natürlich eine politische Grösse. Auch die Kirchengläubigkeit in ihrer Unantastbarkeit. Vor allem aber die ungeheure Neugier der Julie am Anfang, ihre masslose Gier nach dem Fremden, dem Andersartigen, dem Verbotenen auch. Und das alles verlangt auch von uns eine Hinterfragung von Strukturen, ein Neubeginn nach einer starken Irritation. Symbolmaterial ist da genügend vorhanden. Es kann gedacht werden…

Foyer: Wie fühlst Du Dich am Churer Stadttheater?
Gian Gianotti: Ich inszeniere ein wichtiges Stück, mit Menschen, die in einer ähnlichen Form Ehrlichkeit und Tiefe suchen, kann im Aufführungsraum proben, im Publikum sitzen Leute. denen ich etwas von mir sagen und zeigen möchte, ich habe die Ruhe zum Arbeiten, die finanzielle Rechnung geht für diese Arbeit auf – und ich kann das Ganze auch noch von zuhause aus machen. Was kann ich mir denn da mehr wünschen?

Interview: Christine Lemke

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Fotos: Peter de Jong und Florence Girod

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Pressestimmen:

>>>  Fräulein Julie,  Gian Gianotti inszeniert erstmals am Stadttheater  MOI 6, KulturMagazin,  6.10.90
>>>  BZ-Thema,  Aus der Isolation in die Einsamkeit  Bündner Zeitung,  25.10.90_0001
>>>  Jetzt ist wieder Theaterzeit  Bündner Woche,  31.10.90
>>>  Auftakt nach Mass  Bündner Zeitung,  27.10.90
>>>  Churer Theatersaison geht los  Bündner Tagblatt,  20.10.90
>>> 
Premiere eines Eingenwilligen  Bündner Tagblatt,  23.10.90
>>>  Ein fast volles Stadttheater  Bündner Zeitung,  27.10.90
>>>  Fräulein Julie fand Anklang  Bündner Tagblatt,  27.10.90
>>>  Strindberg im Kurtheater / Fräulein Julie  Theaterkurier 1992,  Februar 1992
>>>  
Fräulein Julie, Eine Theaterprobe  Badener AV, 12.3.92
>>>  Begeistender Mittsommernachtstraum  Aargauer Verbund,  18.3.92
>>>  Fall ins Bodenlose  Badener Tagblatt,  16.3.92
>>>  Machtkampf in Schwarz-Weiss  Aargauer Volksblatt,  16.3.92

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Cechov, DER KIRSCHGARTEN

1990     S / D

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Plakat: Heinz Jost

Cechov: DER KIRSCHGARTEN
Stadttheater Bern, Direktion: Philipp de Bros

Anton Cechov: Der Kirschgarten
In der Übersetzung von Peter Urban

Stadttheater Bern
Direktion: Philippe de Bros

Premiere: 22. Februar 1990

Inszenierung – Gian Gianotti
Bühnenbild und Kostüme – Werner Hutterli
Bühnenmusik – Klaus Sonnenburg
Regieassistenz – Christian Probst
Bühnenbildassistenz – Thomas Ziegler, Edwin Triggs
Kostüm-Mitarbeit – Inge Borisch
Grafik – Heinz Jost

 

 

Besetzung:

Ljubov Andreevna Ranevskaja, Gutsbesitzerin: Heidi Maria Glössner
Anja, ihre Tochter, 17 Jahre alt: Bettina Hamel
Varja, ihre Pflegetochter, 24 Jahre alt: Veronika Wolff
Leonid Andreevic Gaev, Bruder der Renevskaja: Klaus Degenhardt
Ermolai Alekseevic Lopachin, Kaufmann: Klaus Hirche
Pëtr Sergeevic Trofimov, Student: Gerhard Hermann
Boris Borisovic Sermeonov-Piscik, Gutsbesitzer: Sigfried Meissner
Sarlotta Ivanovna, Gouvernante: Charlotte Renner
Semen Penteleevic Epichodov, Kontorist: Thomas Balou Martin
Dunjasa, Zimmermädchen: Birgit Oswald
Firs, Lakai, ein Greis von 87 Jahren: Hatto Hirsch
Jasa, ein junger Lakai: Markus Wille / Oliver Krättli
Ein Mann: Otto Kucis
Der Postbeamte: Adriano Vasella

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Fotos: Michael von Graffenried

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Programmheft
>>>   Der Kirschgarten     pdf, 21 Seiten, darin u.a.:  Hans Weiss, Landschaft auf Abbruch, Seite 17-25

 

 

Einige Gedanken zur Produktion und Arbeit finden Sie unter
>>>  RÜCKSCHAU

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Pressestimmen: 

>>>  Der Kirschgarten – Radiokritik DRS2, Michel Schär  23.2.90
>>>  Ein Tschechow fast ohne Bilder  Der Bund, C.C.  24.2.90
>>>  dito C.C. Ins Karge, Leere, Bildlose ausgewichen  Der Bund, C.C.  24.2.90
>>>  Nur die Erinnerung treibt Blüten  Berner Oberländer, Svebnd Pernell  26.2.90
>>>  Offenbarung der russischen Seele  NZZ, B.En.  26.2.90
>>>  Verfall einer Gesellschaft  Bieler Tagblatt u.a., Irmel Rohrer-Lüthi  26.2.90
>>>  Von Einsamen, Spinnern, Visionären  Vaterland u.a. Beatrice Eichmann-Leutenegger  26.2.90
>>>  Tschechow verkommt zu bleierner Langeweile  Berner Zeitung BZ, Hans-Ueli Gwunder  27.2.90
>>>  Gastspiel in Winterthur:  Ende einer Epoche, Anfang einer neuen Zeit  Der Landbote, Stefan Busz  28.4.90
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