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Schaffhauser Nachrichten, Mittwoch 24. Oktober 2007, Region

 

 

Theater Don Pasquale von Donizetti im Stadttheater

 

Mitreissende Spiellust und grosses Können

Schaffhausens Opernfreunde werden im gegenwärtigen Theaterprogramm recht karg bedient. Die einzig angebotene eigentliche Oper (Carmen) wird in St. Gallen stattfinden, und im eigenen Musentempel war nun «nur» die Opera buffa von Donizetti: «Don Pasquale», zu geniessen - doch ein Vergnügen war diese Aufführung dafür wirklich, auch wenn man sich über dies und das Gedanken machen und auch anders vorstellen konnte.

 

 

Vor allem: Die historischen Figuren der italienischen «Commedia dell'arte» haben die Librettisten Michele Accorsi und Giovanni Ruffini, von Donizetti selbst zusätzlich bearbeitet und vertont, plastisch wieder aufleben lassen: Der alte Don Pasquale ist der würdige Nachfahre des einstigen Pantalone, der «Dottore» ist noch immer der Intrigant und witzige Ränkeschmied, die junge Norina verkörpert die Colombina, und der arme Ernesto trägt die unbeholfenen Züge des Pulcinella - er war die einzige Figur, die in dieser Inszenierung denn auch die kreideweisse Maske aufgeschminkt bekommen hat.

 

Womit wir beim Regisseur Gian Gianotti angelangt sind, der darüber hinaus auch für Bühne und Kostüme verantwortlich gezeichnet hat. In seinem «Talk» vor der Aufführung rechtfertigte er seinen Entschluss, ohne Bühnenbild und Requisiten zu operieren, nicht zuletzt mit dem Hinweis, dass auch die Akteure der «Commedia» ohne solche Zusätze ausgekommen sind. Dafür hat er seinen Sängern enorme Leistungen an komödiantischem Spiel abverlangt, auf der Bühne mysteriöse Dunkelgestalten herumgeistern lassen und mit fantasievollen, deutlich karikaturalen Kostümierungen für zusätzliche Typisierung der einzelnen Rollen gesorgt. Und auch einige heitere Gags - etwa der Mann als Sitzbänklein für den Notar, weil ja kein Stuhl vorhanden war - sorgten für spontane Lacherfolge. Wunderlich war hier höchstens die teilweise Wiederholung der Heiratsszene, die nach der Pause als Fragment den Anschluss an das Folgespiel bildete.

 

Zu Gast waren Chor, Orchester und Werkstätte der bulgarischen Staatsoper Rousse, geleitet von ihrem Chefdirigenten Nayden Todorov, die mit einer vorzüglichen Zusammenarbeit, mitreissender Spiellust und grossem Können aufwarteten. Die Titelrolle versah der Bassist Plamen Beykov gesangstechnisch und schauspielerisch meisterhaft - dass er grosse Partien gebückt singen und sich mit seinem überlangen Mantel herumschlagen musste und dies mit allen Facetten der Ausdrucksgestaltung spielend konnte, erweckte spezielle Bewunderung. Ähnliche körperliche Anstrengungen hatte auch sein Gegenspieler Georgios Filadelfefs als Ernesto zu bewältigen, dessen Tenor mitunter etwas angestrengt klang, was aber aus der Rolle auch zu verstehen ist. Absolut überragend, gesangstechnisch brillant und gestisch überschäumend meisterte Ana Gemedjieva den schwierigen Koloraturpart der Norina, die mit dem Geldregen, den sie mit vollen Händen um sich warf und der erst noch vom Himmel fiel, einen wirkungsvollen Bühnen-Zusatzeffekt erzielte. Und dann natürlich der augenzwinkernde Schurke Dottor Malatesta - der wurde von Bojdiar Vasiliev darstellerisch wie vokal (unter anderem mit ungeheurem Schnellsprechgesang) wahrhaft bravourös verkörpert. Chor und Orchester bildeten ihrerseite geschlossene Einheiten, und so durfte man insgesamt das Erlebnis einer gelungenen Komödie mit nach Hause tragen.

 

Rita Wolfensberger

 

 

 

 

 

 

Die Besetzung

Das Gespräch

 


 

 

 

 

Gian Gianotti, gian@gianotti.ch

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