Bündner Wirren als ein Beitrag zur Legitimation des Theaterberufes im Kanton Graubünden
Mit Bündner Wirren wird wieder einmal ein Projekt im Kanton Graubünden realisiert, das über die übliche Grösse und Ausstrahlung hinaus Konfrontationen mit den Möglichkeiten des Theaters bewirken kann: Eine zeitgenössische Oper, eine Verbindung von Musik, Gesang, Wort, Bild und Bewegung, in einem aussergewöhnlichen Raum. Nicht umsonst haben so viele Musiker, Sänger, Schauspieler, ja ganze Chöre und Laienspieler direktes und praktisches Interesse bekundet. Sie haben gemerkt, dass sich hier verschiedene Möglichkeiten fürs Theaterspielen bieten. Sie haben es gemerkt und sie sind darauf eingestiegen.
Viele der Beteiligten haben direkt mit unserem Kanton zu tun: Autor, Komponist, Dirigent und auch ich, wir haben grosse und grössere Kreise gezogen, um nach Möglichkeit auch wieder zurückzukommen, wenn sich eine reale Aktion motivieren und realisieren lässt. Aber nicht nur die Leitung, auch die Spieler und Sänger sind fast ausnahmslos Leute, die eine Geschichte oder wenigstens eine Beziehung zum Kanton haben. Die Aktion Bündner Wirren in Davos ist eine Innovation, das Eisstadion ein faszinierender Raum, auch wenn er uns theatralisch fast unlösbare Probleme aufgegeben hat. Immer wieder konnte ich in den vergangenen Jahren beobachten, wie Aktionen weitere Aktionen ermöglichen und auslösen. Theater wurde gespielt weil Theater gesehen wurde. "Lust auf Theater" wurde ausgestrahlt.
Natürlich ist da nicht nur alles reiner Idealismus. Dies werden insbesondere jene sagen, die uns auch finanziell unterstützen. Nein, wir haben in kurzer Zeit eine relativ hohe Summe in Theater umgesetzt, das ist wahr. Kleine und kleinere Gruppen haben es unverhältnismässig schwerer, um mit unverhältnismässig kleineren Summen für ihre Projekte zusammenzukommen. Aber Bündner Wirren kann vielleicht auch da unterstützend wirken, indem Leute auf die Lust kommen, indem Leute Freude daran haben und diese wiederum kulturell aktiv und theaterunterstützend einsetzen. Das wäre eine grosse Hoffnung.
Theater soll auch im Kanton Graubünden ein legitimes und realistisches Arbeitsfeld werden.
Gian Gianotti, Juni 1989
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